„Zu 90 Prozent einfach eine tolle Zeit“
Engagement: Justin Haas und Madeleine Böhm absolvieren ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Martin-Buber-Schule
Normalerweise genießen die Schulabgänger nach ihrem Abschluss erst einmal die freie Zeit. Dies gilt nach der Aussetzung der Wehrpflicht in gleicher Weise für junge Männer wie Frauen. Ausgiebige Partyurlaube in Lloret de Mar oder Mallorca stehen inzwischen bei vielen Abschlussklassen hoch im Kurs.
Bei Justin Haas und Madeleine Böhm ist das anders: Die jungen Frauen legten im Juni an der Bensheimer Liebfrauenschule ihr Abitur ab, jetzt sind sie in anderer Position ins Bergsträßer Schulwesen zurückgekehrt. Seit dem 1. August leisten die beiden Neunzehnjährigen in der Heppenheimer Martin-Buber-Schule ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) ab. Sie übernehmen bis zum 31. Juli 2012 Betreuungsaufgaben und unterstützen das Lehrerkollegium. Insbesondere die Nachmittagsangebote der Schule sowie die neue Ganztagsklasse 5a, aber auch die Sprachintensivklasse für Seiteneinsteiger profitieren von den beiden FSJlerinnen.
„Zu ihren Aufgaben gehört die Hausaufgabenbetreuung in der Ganztagsklasse, die Betreuung von Kleingruppen beim Mittagessen oder auch im normalen Unterricht. Es kann aber auch sein, dass die beiden als Betreuerinnen an Klassenfahrten teilnehmen“, sagt Schulleiter Markus Proksch. Nach knapp fünf Wochen im Schuldienst ist Proksch voll des Lobes für seine beiden jüngsten Mitarbeiterinnen: „Die beiden sind ein absoluter Glücksfall, sie sind überaus engagiert.“ Das Engagement begründet Madeleine Böhm mit ihrem späteren Berufswunsch: „Ich will Lehramt studieren und sehe das FSJ als ein langes Praktikum, in dem ich wichtige Erfahrungen sammeln kann.“
Warum die Wahl der beiden jungen Frauen ausgerechnet auf die Martin-Buber-Schule fiel, liegt für Madeleine Böhm auf der Hand: „Grundschule und Gymnasium habe ich selbst besucht, durch das FSJ will ich jetzt auch den Haupt- und Realschulzweig besser kennenlernen. Die Martin-Buber-Schule kenne ich, da ich meine ersten vier Schuljahre in der naheliegenden Schloss-Schule verbracht habe.“ Die Tätigkeit an sich zehrt zuweilen auch an den Kräften der beiden FSJlerinnen. Madeleine Böhm: „Wir haben einen ganz gewöhnlichen Arbeitstag. Das ist manchmal schon ziemlich anstrengend und etwas ganz Anderes als die Schulzeit. Zu 90 Prozent ist das hier aber einfach nur eine ganz tolle Zeit.“
Besonders angetan ist die junge Heppenheimerin unterdessen von der Arbeit in der Sprachintensivklasse für Seiteneinsteiger. Hier werden Schüler ohne Deutschkenntnisse von speziell ausgebildeten Lehrern unterrichtet. „Deutsch als Zweitsprache“ lautet der pädagogische Fachbegriff. „Die Motivation und Herangehensweise der Schüler ist eine ganz andere als bei den jüngeren Schülern. Das liegt wohl daran, dass sie ein paar Jahre älter sind. Sie stellen obendrein auch ganz andere Fragen“, berichtet Madeleine Böhm. Für sie selbst bedeute dies ebenfalls eine Herausforderung: „Auch ich achte dadurch viel bewusster auf ein korrektes Deutsch.“
Sichtlich angetan vom Engagement von Justin Haas und Madeleine Böhm zeigte sich gestern Vormittag auch Bianka Dörsam, die bei Unilever/Langnese als Ausbildungsleiterin am Heppenheimer Standort tätig ist. Dem Unternehmen haben es Schulleitung und Kollegium zu verdanken, dass derzeit zwei FSJ-Stellen an der Martin-Buber-Schule besetzt werden können. Eine Stelle wird vom Hessischen Kultusministerium finanziert, die zweite vom Unternehmen. Mit diesem Engagement erreicht die ohnehin schon gute Zusammenarbeit zwischen Schule und Unternehmen eine neue Stufe. Für Bianka Dörsam als ehemalige Schülerin der Martin-Buber-Schule ist dies ein besonderes Anliegen, zumal das Unternehmen, so Dörsam, vielen Schulabgängern eine berufliche Perspektive biete. Für Proksch macht die Zusammenarbeit in dieser Form auch aus einer anderen Perspektive Sinn: „Viele Eltern unserer Schüler sind in dem Unternehmen beschäftigt. Da ist es dem Betrieb natürlich auch ein Anliegen, dass die Kinder der Arbeiter und Angestellten gut betreut werden.“





